Tile Sport – Schlüssel finden leicht gemacht? – Review

Seit ca. 4 Wochen renne ich nun mit einem Tile Sport am Schlüsselbund durch die Gegend. Der kleine Bluetooth Tracker soll mir vor allem dabei helfen meine Schlüssel nicht mehr zu verlegen oder mein Handy wiederzufinden. Außerdem soll das Community Feature dazu beitragen, dass verloren gegangene Sachen von anderen Menschen wiedergefunden werden können. Tile hat also nichts anderes als das größte digitale Crowedbased-Fundbüro der Welt im Sinn. Aber klappt das wirklich in Deutschland? Und wie stabil ist der Tile Sport, der eben besonders für aktive Menschen mit weniger weichem Umgang entwickelt wurde?

Da es mein erster Kontakt mit Tile an sich ist, wird sich das ganze deutlich mehr als ein Erfahrungsbericht über Tile im Allgemeinen und weniger über den Tile Sport sein. Trotzdem versuche ich auf die besonderen Eigenschaften, wie die zusätzliche Lautstärke oder die Robustheit einzugehen. Wer übrigens keine Lust auf die Textform hat, am Ende des Artikels ist das Review Video eingebunden. Als weiterer Hinweis. Der Tile Sport wurde von Tile direkt als Testgerät ohne Auflagen für den Testbericht gestellt.

Einrichtung? Ein Kinderspiel!

Eine Frage die mich direkt beschäftigt hat, als ich den Tile aus der Packung holte, wie gut ist die App und wie schnell habe ich den Tile mit meinem Handy verbunden. Nach wenigen Sekunden war die App heruntergeladen und ein Account in der App erstellt. Wenige Klicks später war mein Tile auch schon mit einem Handy und meinem Tile-Account verknüpft. Die Einrichtung ist wirklich ein Kinderspiel. Wer mir das nicht glauben mag, soll gerne in das Unboxing-Video schauen, indem ich den Tile auch einrichte.

Nach der Einrichtung fiel mir allerdings schon der erste Missstand auf. Normalerweise habe ich GPS bei meinem Smartphone deaktiviert, wenn ich es nicht extra benötige, also zum Beispiel für Spiele wie Pokémon Go oder zum Navigieren im Auto. Die Tile-App machte mich allerdings schon nach wenigen Sekunden darauf aufmerksam, dass ich doch bitte die Ortungsdienste samt GPS aktiviere und für die Tile-App freigebe. Ein bisschen verwundert war ich schon, denn viele Apps die Ortungsdienste benötigen, wie Jodel und Co., kriegen das meist auch ziemlich gut ohne GPS hin. Tile möchte es aber besser machen, präziser sein, mir auf den Meter genau erklären, wo ich meinen Schlüssel verloren habe. Die Idee daran gefällt mir, der steigende Akkuverbrauch durch mein dauerhaft aktiviertes GPS nun allerdings wirklich nicht. Deshalb versuchte ich die App ohne GPS zu betreiben. Funktionen? Fehlanzeige! Das Handy-Klingeln funktioniert nicht mal, wenn der Tile drei Zentimeter neben meinem Handy liegt. Enttäuschung machte sich breit.

Quelle: thetileapp.com

Community, nicht in Deutschland

Eine der Funktionen auf die ich mich bei Tile am meisten gefreut habe, war die Community Funktion, eben dieser Knaller, der diesen unscheinbaren Bluetooth-Tracker zum größten Fundbüro der Welt werden lassen sollte. Leider fehlt die Community dafür. Zugegeben, ich wohne nicht gerade in der größten Stadt, aber bei rund 250.000 Einwohnern hatte ich gehofft, dass ich wenigstens einen verlorengegangenen Gegenstand finden könnte. In der Realität hat die App allerdings nicht einmal zugeschlagen. Natürlich ist diese Kritik jetzt sehr Standortabhängig und ihr werdet sicherlich in Berlin eher Menschen finden, welche ebenfalls ein Teil der Tile-Community sein werden, allerdings wirkte es für mich als sei die Community in Deutschland tot. Es gibt weder offizielle Zahlen noch Schätzungen, wie viele Menschen in Deutschland der Tile-Community angehören. Einzig die Facebook Seite ist ein Indikator mit über 500.000 Likes. Weltweit spricht Tile von Millionen Nutzern. Diese Millionen bringen mir allerdings recht wenig, wenn davon kaum jemand in meiner Heimatstadt lebt. Sicherlich kann ich diesen Vorwurf Tile nur indirekt machen, aber sicherlich wäre es nicht die erste coole Technologie, welche es aufgrund von fehlenden Netzwerkeffekten nie zum Durchbruch schafft.

Quelle: Tile Deutschland Facebook

Ein Jahr, ein Tile

Was mich persönlich, aber am meisten stört ist die Tatsache, dass ich im Tile die Batterie nicht wechseln oder aufladen kann. Die Batterie eines Tiles soll rund 12 Monate halten, danach muss ein neuer her. Rund 40% Rabatt werden gewährt, wenn man den alten Tile im Rahmen des reTile-Programms zurück an das Unternehmen schickt und dafür einen neuen Tile kauft. Beim Tile Sport würde dies bei einem Einzelkauf bedeutet, dass man immerhin noch rund 23€ für einen neuen Tile hinblättern müsste, bei einem Ausgangspreis von aktuell ca. 38€. Natürlich gibt es noch größere Set-Angebote, trotzdem ist dies ein durchaus happiger Preis jedes Jahr für ein Produkt, dessen vielleicht bestes Feature in Deutschland nicht so wirklich funktionieren will.

Außerdem kommt noch der Umweltaspekt dazu. Tile versichert zwar, dass die alten Tiles recycelt werden, trotzdem bedeutet das reTile-Programm mindestens zwei Briefe die jedes Jahr hin und her geschickt werden müssen. Umweltfreundlich sieht sicherlich anders aus, ob es persönlich allerdings stört muss jeder für sich beantworten, immerhin kommen die meisten Smartphones mittlerweile mit festverbauten Akkus die ebenfalls kaum länger als zwei Jahre halten.

Stoßfest, Wasserfest und richtig laut

Kommen wir nun aber mal wirklich zu den Besonderheiten des Tile Sport, bisher habe ich ja eher wie angekündigt über Tile im Allgemeinen geschrieben. Der Tile Sport gefällt mir rein von der Hardware richtig gut. Die Farbgebung deutet schon daraufhin, dass man diesen Schlüsselanhänger auch gerne mit auf eine Baustelle nehmen kann. Jede Menge Stürze und auch Wasser (bis 1,50 Meter) machen dem Tile Sport nichts aus. Kratzer kriegt das Plastik allerdings leicht. Das stört mich persönlich weniger, da das Design sowieso nicht filigran aussieht und der Tile Sport nach spätestens einem Jahr ersetzt werden muss. Und sorgen machen, dass ihr den Tile Sport nicht hört, müsst ihr euch auch nicht. Ist die Verbindung zwischen Smartphone und Tile da, dann kann der Tile Sport richtig laut werden. Offiziell heißt es, dass der Tile Sport doppelt so laut ist wie der normale Tile. Das kann durchaus stimmen, allerdings habe ich kein Vergleichgerät. Laut genug um mich zu wecken ist dieser Ton allerdings locker und den Geldbeutelt findet man so auch mühelos wieder.

Fazit

Kann ich den Tile Sport empfehlen? Ganz ehrlich, eher nicht. Wenn ihr ständig euren Schlüssel, Geldbeutel oder sonstiges verlegt oder sogar verliert, dann könnte man sich durchaus überlegen, ob es nicht sinnvoll ist Geld und Akkulaufzeit in einen Tile zu stecken. Wer allerdings halbwegs organisiert durchs Leben geht und gehofft hatte sich im Falle eines Falles auf die Tile Community verlassen zu können, der sollte in Deutschland gewarnt sein. Versucht euch vorher zu darüber zu informieren, wie viele Tile-Nutzer wahrscheinlich in eurer Gegend sind. Die Deutsche Facebookseite von Tile verfügt über mehr als 500.000 Likes. Die Chancen in einer größeren Stadt doch eine Gruppe von Menschen zu treffen, die ebenso Tiles nutzen ist also vorhanden. In ländlicheren Gegenden ergibt für mich die Anschaffung eines Tiles allerdings nur selten Sinn.